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Bei der Untersuchung von Sportschuh oder Fußball wird auch schnell deutlich, dass bei der 

Fertigung von Sportgeräten (und hierzu gehört vielleicht zu allererst auch der Sportschuh) 

selten reine Kunststoffteile verwendet werden. So werden Glas‐, Aramid‐ oder Carbonfasern 

in eine Kunststoffmatrix eingebettet. Im Faserverbundkunststoff (FVK) wird die Faser von der 

Matrix (dem eigentlichen Kunststoff) umgeben, so kann die hohe spezifische Festigkeit und 

Steifigkeit der Faser genutzt werden, was ohne die Matrix nicht möglich wäre. Je nach 

Richtung der Faser besitzt der fertige Kunststoff ein unterschiedliches Elastizitätsverhalten. 

In der Industrie werden Carbonfasern durch Pyrolyse von Polyacrylnitrilfasern unter 

Entstehung von Ammoniak und Blausäure hergestellt. Allerdings gibt es auch Möglichkeiten, 

die Herstellung solcher 

Carbonfasern

 aus Polyacrylnitril im Schulversuch zu verdeutlichen 

(Versuch 1).  

Zwar haben Carbonfaser‐verstärkte Kunststoffe (Versuch 2) wegen ihrer hohen Festigkeit 

und gleichzeitig geringem Gewicht, einen erfolgreichen Einzug beim Bau vieler Sportgeräte, 

wie Fahrradrahmen gehalten, aber die aufwändige Herstellung hat dazu geführt, dass heute 

statt ihrer wieder mehr Naturfasern verwendet werden. Diese 

Naturfaser‐verstärkten 

Kunststoffe (NFK)

 sind eine gelungene Kombination der klassischen Kunststoffe als 

Matrixmaterial und nachwachsenden Rohstoffen als Fasermaterial. Die eingesetzten 

Naturfasern stammen meist von Bastfaserpflanzen wie Flachs, Hanf oder Jute. In einigen 

Ländern werden Palmenfasern oder Reisschalen verwendet [8]. Im Automobilsport wurde 

erst kürzlich sogar ein Auto vorgestellt, dass völlig ohne Carbonfasern auskommt. Eine 

Rückkehr zu Naturfasern auch bei Trikots oder Trainingshosen zeichnet sich allerdings noch 

nicht ab.  

Ausgewählte Entwicklungen bei Sportgeräten im Detail betrachtet 

Tennisschläger 

Am Anfang des vorigen Jahrhunderts wurden Tennisschläger aus verschiedenen Holzsorten 

hergestellt. Nahezu eine Revolution war es, dass diese ab 1920 nicht mehr verschraubt, 

sondern nur noch verleimt wurden. Die nächste grundlegende Umwälzung ließ lange auf sich 

warten. Mit dem zunehmenden Einsatz von Leichtmetallen in vielen Bereichen drangen 

diese auch in den Sport vor. In den 1970er Jahren wurden die ersten Metallschläger 

entwickelt, insbesondere aus Aluminium. Mit einem solchen Metallschläger gewann Jimmy 

Conners acht Grand Slam Turniere.  

Heute, und eigentlich schon ab den 1990er Jahren, gibt es kaum noch Holz‐ oder 

Metallschläger. Abgelöst wurden sie durch Carbonfaser‐verstärkte Kunststoffe (CFK). Diese 

sind noch einmal leichter und verwindungssteifer als Aluminium [9]. Auch das Saitenmaterial 

hat sich grundlegend geändert. Während man früher meist natürliches Material verwendete 

wie Darmsaiten, kommen heute Nylon und Polyesterfasern zum Einsatz.  

Heutzutage versucht man aus den CFK‐Schlägern „intelligente“ Schläger zu entwickeln, die 

ihre Steifigkeit der Schlagintensität anpassen. Dazu werden Piezoelemente verwendet, die je 

nach Schlaghärte eine unterschiedliche Spannung erzeugen, die das Material verändert. In 

der Zukunft enthalten Tennisschläger vielleicht Nanoröhrchen. Das sind hohle, 

zylinderförmige Gebilde mit einem Durchmesser von wenigen Nanometern und einer Länge 

vom mehreren Mikrometern. Sie versprechen noch bessere mechanische Eigenschaften als 

die augenblicklich verwendeten Fasern. Schwierigkeiten bestehen zurzeit noch, sie in 

Kunststoffmaterialien einzubetten [10]. Eine Einbindung, auch von Naturfasern, ist ebenfalls 

möglich, wird aber derzeit noch nicht umgesetzt.  

Fahrradrahmen