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Chemie und Sport – über den Sport die Chemie erleben
„Schneller höher, weiter“ - heißt das Motto, dem die Kunststoffe im Sport zur Geltung ver-
helfen. Sie ermöglichen neue Rekorde, schützen vor Verletzungen und sorgen im Breitensport
dafür, dass das Hobby Spaß macht.
1Der Sport war schon immer ein Gebiet, das Innovationen aus der Chemie übernommen hat.
Einer der ersten Kunststoffe, das Celluloid, wurde von den Brüdern Hyatt auf der Suche nach
einem geeigneten Kunststoff für Billardkugeln entwickelt
2 .Die ersten Billardkugeln wurden aus Elfenbein gefertigt. Um den Bedarf zu decken, wurden
bis zur Jahrhundertwende jährlich 12000 Elefanten getötet. Da Elfenbein als Naturstoff kleine
Unregelmäßigkeiten besaß, liefen die Kugeln nicht immer geradeaus. Dies veranlasste einen
reichen Amerikaner, 10000 Dollar für denjenigen zu bieten, der ein gleichmäßigeres Material
bringen konnte. Zwar wurden nie Billardkugeln aus Celluloid gefertigt, aber der Kunststoff ist
dennoch nicht aus dem Sport wegzudenken, weil er bis heute noch das Material für Tischten-
nisbälle ist. (siehe auch Versuch 1)
Für den Chemieunterricht ist es wichtig zu zeigen, welche Rolle die Chemie in unserem All-
tagleben spielt. Gerade Schüler, die nicht leicht für das Unterrichtsfach zu motivieren sind,
können durch den Bezug zum Alltag für die Chemie begeistert werden. Viele fachdidaktische
Veröffentlichungen
3, 4 geben hier Hinweise und Ratschläge, wie man den Alltagsbezug mög-
lichst anschaulich in den Unterricht integrieren kann.
Mit zunehmender Freizeit nimmt der Sport an Bedeutung zu. Ob Mountainbiking, Tennis, Ski
oder Golf, die Materialien haben sich grundlegend geändert. Moderne Materialien sind leich-
ter, fester und verwindungssteifer. Ein Weltklasse Skifahrer hätte heute mit einem nur drei
Jahre alten Ski nicht mal mehr eine Chance, bei einem Jugendrennen zu gewinnen.
Auch die Sportkleidung verändert sich zunehmend. Moderne Funktionskleidung ist atmungs-
aktiv, winddicht und federleicht. Durch die Verwendung spezieller Stretchstoffe kann sie wie
eine zweite Haut am Körper anliegen.
Die Chemie spielt auch eine große Rolle bei der Trainingsplanung und –steuerung. Nicht nur
der Flüssigkeitsverlust wird durch isotonische Getränke ausgeglichen, sondern auch die Re-
generation nach dem Training wird durch bestimmte Inhaltsstoffe wie, z.B. Kreatin schneller
erreicht.
Auch bei der Behandlung der theoretischen Inhalte im Sportunterricht gewinnen die chemi-
schen Zusammenhänge immer mehr an Bedeutung. Dopingpräparate, anabole Wirkstoffe wie
das Wachstumshormon können hier besprochen werden.
Die ganze Bandbreite der Chemie kann über den Bezug zum Sport erschlossen werden. Anor-
ganische-, Allgemeine-, Organische-, Bio- und Polymerchemie besitzen Inhalte aus dem
Sport. Im folgenden Abschnitt sollen Beispiele gegeben werden, die Chemiefachkollegen für
Einführungen in ihrem Unterricht nutzen können.
Ein Spiel, wie z.B. Fußball, ist durch die Errungenschaften der Chemie stark verändert wor-
den. Der Ball besteht nicht mehr aus Leder, sondern aus Kunststoff. Damit saugt er kein Was-
ser mehr auf und bleibt formstabil (siehe auch Versuch 2). Auch die Schuhe sind nicht mehr
1
Stepping , K.: Kunststoffe in Freizeit und Sport, Verband der Kunststofferzeugenden Industrie, Karlstr. 21,
60329 Frankfurt, e-mail:
info@vke.de2
Arbeitsgemeinschaft Deutsche Kunststoffindustrie(AKI): Kunststoffe, Werkstoffe unserer Zeit, Karlstraße 21,
Frankfurt am Main, S.28, 1983
3
Chemie in sinnstiftenden Kontexten: Praxis der Naturwissenschaften Chemie, PdN, Heft 1/50 15. Januar 2001,
Aulis Verlag Deubner & Co KG Köln Leipzig
4
Robert Kopitzke: Modern Sport an Chemistry: What a Chemically Aware Sports Fanatic Should Know,
J.ChemEd
.wisx.edu,Vol79, No7, July 2002, Journal of Chemical Education




